Halbdistanz-EM Wachsee am 4.9.2016 - mein perfektes Rennen

Ich stand Anfang Juni gerade in einem Hotelzimmer in Japan als ich einen Anruf bekam. „Triathlonverband Österreich. Sie können ein Ticket für die EM am Walchsee haben, da Sie sich in Linz qualifiziert haben…“ Gleichzeitig eine WhatsApp Nachricht von Andi, ich möge ihn dringend kontaktieren. Einen kurzen WhatsApp Chat mit meiner Frau später und nach einem Telefonat mit Andi beschloss ich, dass ich das Ticket nehmen werde.

Ich kann mich noch an die Aussage von Andi erinnern, dass „die nächsten drei Monate richtig hart werden“, erst jetzt kann ich die Aussage aber auch richtig deuten. „Hart" heißt im Normalfall 15 Stunden pro Woche Training, allerdings nicht gerade im Grundlagenbereich. 

 

Samstag: Wettkampf auf der Sprint und eine Stunde laufen, Sonntag fünf zügige Stunden am Rad. 

Der Höhepunkt war wieder einmal das letzte „harte“ Training in der vorletzten Woche. Vier Stunden Rad und eine Stunde „drauflaufen“. (wir reden hier von Stunde 14-18 in dieser Woche) Ich bin bei gut 30 Grad unter der Autobahnbrücke gesessen und hab mir den Finger in den Mund gesteckt. 

 

Am Freitag des Wettkampfwochenendes hab ich dann noch mit Andi telefoniert und ihm meine Vorstellungen zur Renntaktik erklärt. Die Antwort war sinngemäß „Spitzenidee, machen wir SICHER NICHT…“ und dann hat mir Andi genau erklärt, wie ich das Rennen antragen werde und warum ich das kann. Nebenbei haben wir noch vereinbart, dass der „pulsuhrhörige“ Michael seinen Garmin Forerunner in Linz lassen und ohne Uhr an den Start gehen wird.

 

So bin ich dann am Samstag in der Früh gemeinsam mit meiner liebsten Frau nach Tirol gefahren und das Wettkampfwochenende konnte beginnen. Wie immer vor Wettkämpfen gefühlt sehr sehr müde und alles in Frage stellend. Nachtruhe war ok und so sind wir am Wettkampftag um sieben Uhr am Walchsee angekommen. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon dreimal am Klo und hab meiner Frau mitgeteilt, dass ich jetzt sicher nicht mehr muss. Zehn Minuten später hab ich schon wieder gesucht.

 

Das Rennen ist spitzenmäßig losgegangen, da ich mich nach ca. 300m das erste Mal gefragt habe,  wo die anderen Schwimmer hingekommen sind. Rolling Starts sind zwar pazifistenfreundlich, aber für bekennende Nichtschwimmer mit mangelnder Orientierung nicht hilfreich. Ca. 90 Sekunden später war ich wieder im Feld und hab das erste Mal mit dem Rennen abgeschlossen. Nach zwei weiteren "Verschwimmern" und gefühlte 45 Minuten später war ich endlich aus dem Wasser und das Rennen konnte beginnen.

 

Ich komm aus dem Wasser und traue meinen Ohren nicht:

„Michi, Michi, Michi…!!!“

„Sabine schreit doch nicht so laut…???

 

Stimmt, es waren Vicky, Claudia, Felix und Andi, die beschlossen haben, um fünf Uhr morgens aufzustehen und den Weg nach Walchsee auf sich zu nehmen und mich anzufeuern. Dass sie auch die Straßen dekoriert haben, ist mir leider entgangen, wurde mir aber von verschiedenen Seiten erzählt.

 

Die Renntaktik war so ausgelegt, dass ich am Rad Gas geben sollte und so war ich ab der ersten Sekunde am Überholen. Die Radstrecke ist „attraktiv“ mit 1150 Höhenmetern und durchaus spannenden Abfahrten versehen. Zwei km vor dem Ende hab ich dann etwas rausgenommen und mir intensiv vorgestellt, wie ich den Lauf locker angehe. Zwischenzeit? Absolut keine Idee und weit und breit keine Anzeige…

 

So bin ich dann in die erste Laufrunde gestartet und hab gemerkt, dass die Beinchen noch funktionieren. Mit einem gefühlten 5-irgendwas-Schnitt ging es los. Natürlich ist es während des Laufens immer wärmer geworden und so hab ich ab der zweiten von vier Laufrunden meine Steh- und Trinkpausen bei den Labstellen eingeführt.  Gelernte Eishockeyspieler können bei Hitze einfach besonders gut… 

Ab der zweiten Runde sind dann natürlich auch etwas negativere Gedanken aufgetaucht und es ist zunehmend härter geworden. Auf der dritten Runde bin ich dann dem Typen begegnet, der neben mir am Schwimmstart gestanden ist. „He, wie lange sind wir unterwegs?“ „Keine Ahnung, das zeigt meine Uhr nicht an…“ . Weiterhin vollkommen zeitblind hab ich dann die vierte und letzte Runde begonnen und die Beine nochmals so richtig in die Hand genommen.  Kurz vor dem Ziel noch ein Österreichfädchen in die Hand bekommen, schwups über die Ziellinie, auf einem Display blitzt die Nettozeit auf.  Dann stand ich plötzlich neben mir und hörte mich vor Freude schreien.

 

Mit 5:14:46 hab ich nicht einmal in meinen kühnsten Traumen gerechnet und die Freude war unendlich groß. Vor allem weil ich durchgehend ohne Uhr unterwegs war,  war die Überraschung umso größer.

 

Fazit:

Gegenüber meiner ersten Halbdistanz in Linz beim Schwimmen um 1:30min schneller,  am Rad 2min schneller, beim Laufen um 23min schneller, dafür eine Zeitstrafe und einen Sturz am Rad weniger. 

Ich war wieder einmal perfekt vorbereitet, da Andi einfach genau weiß,  wie er Trainingspläne und Renntaktiken gestaltet.  Mein Beitrag ist, dass ich mich 100%ig an die Vorgaben im Training und im Rennen halte. 

 

So sehr ich das Training mit der Pulsuhr liebe,  werde ich zukünftig im Wettkampf darauf verzichten,  da das Gefühl viel mehr wert ist als irgendeine Pace,  die man sich im Training zurecht legt.  Und ja, bei längeren Rennen dauert es halt ein bisschen, bis man weiß, wie es war… Geduld ist eine Tugend…

 

Jetzt geht es in die wohlverdiente Pause und gleichzeitig freue ich mich schon wieder voll darauf, wenn die Saisonvorbereitung für das nächste Jahr startet. 

 

Mit Andi zu trainieren ist das Beste,  was mir passieren konnte. Nach zwei Jahren Zusammenarbeit bin ich noch immer erstaunt, wie sich ein in der Zwischenzeit 40-jähriger Körper Richtung Triathlon entwickeln kann.  Ich hab auch nicht das Gefühl, dass ich am Ende meines Leistungsvermögens angekommen bin. 

 

Gott zum Gruß der Michael

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