In einem jahr zum ironman

 

 

 

In einem Jahr zum Ironman oder die Frage ob man von allen guten Geistern verlassen worden ist?

 

Angefangen hat diese Idee ca. einen Monat vor dem Ironman Austria 2015, als ich und meine Frau gescherzt haben, dass es doch fein wäre, wenn ich da mitmache, weil gut für die Figur und überhaupt und schaden würde es mit ja auch nicht. So steh ich dann am 28. Juni 2015 spätabends im Zielbereich, um mir die letzten Finisher anzusehen und denke mir, das wär schon was. Ein paar Whatsapp-Nachrichten mit Andi später, zumindest die Erkenntnis, es sollte möglich sein. Nach einem Gespräch mit meiner Frau und einmal drüber schlafen war die Anmeldung ausgefüllt, abgeschickt und die Gebühr bezahlt - the point of NO return.

Die Ausgangslage war eigentlich eine Katastrophe, vor allem wenn man daran denkt, dass ich erst 29 war.

Gewicht: 116 kg
Sport: wenig bis gar nicht
Rauchen: fallweise, wenn man mal was getrunken hat

Jetzt stell sich natürlich die Frage, warum macht man dann sowas!?

1. Ich war einfach unzufrieden mit mir selber! Damit, wie träge ich war, wie sehr es mich beanspruchte, wenn ich mal mit der Familie am Berg war, wie wenig Luft ich eigentlich hatte, um mit meinem Sohn zu spielen.

2. Der grundsätzliche Zugang zum Triathlon und dann auch noch den Ironman vor der Haustür und im Hinterkopf einen Trainer, dem ich aus meiner Sicht vertrauen konnte und nicht erklären musste, dass ich auch noch berufstätig bin und eine Familie habe.

Also ging es los ziemlich am Anfang stand der 1. Laktattest. Das Ergebnis war sehr ernüchternd oder wie hat es Andi formuliert - "eigentlich bist du schon unter Belastung, wenn du in der Firma über die Stiege in den 2. Stock gehst". Also genau das, was man hören will, wenn man so ein Projekt in Angriff nimmt. Gleichzeitig aber auch die aufbauenden Worte, dass noch viel Zeit übrig ist und ich das schon schaffen werde.

Also ein paar Ausrüstungsgegenstände besorgen und los geht's mit dem Training. Wobei meine ersten Trainingseinheiten irgendwo im Bereich von 45 Minuten Laufen bei Tempo 10:00/km oder 800 Meter schwimmen gelegen sind, um langsam aber doch so etwas wie eine Grundlage aufzubauen, um dann mal wirklich mit dem Training beginnen zu können. So hab ich den Sommer und Frühherbst mit langsam laufen, schwimmen und radfahren bzw. Ergometereinheiten verbracht, leicht durchmischt mit Stabilisations- und Krafttraining. Aber, und das war das wichtigste, es hat sich etwas verändert, der Körper nämlich. Auch wenn es anfangs auf der Waage nicht zu sehen war, weil mein Körper mehr damit beschäftigt war, nicht vorhandenen Muskel (wieder) aufzubauen, als er gleichzeitig Fett verbrannt hat.

Dann im Oktober der 2. Laktattest. Lob vom Coach und die Gewissheit, das Training hat angeschlagen und wir können angreifen. Die Trainings wurden länger und auch intensiver und ich hab mich echt gefreut, wie ich meinen ersten Halbmarathon gelaufen bin, zwar "nur" im Training, aber ich hätte zu dem Zeitpunkt nie geglaubt, dass ich so weit laufen kann. Den Winter über hab ich dann viel Zeit auf dem Ergometer verbracht, Gott sei Dank hat es ein brauchbares Fernsehprogramm gegeben, gleichzeitig viele Bahnen im Schwimmbecken gezogen und meine Umgebung laufend erkundet. Zu dieser Zeit hat dann auch das Gewicht angefangen sich nach unten zu orientieren und im Jänner waren die ersten 10 Kilo weg, was man direkt beim Laufen gemerkt hat. Wenn man merkt/sieht, wie das Gewicht, gibt das praktisch von selbst Motivation für die Tage, wo man erst um 21:00 Uhr laufen geht, weil vorher keine Zeit ist oder umgekehrt schon um 5:00 startet, damit auch Zeit für die Familie hat.
So das Training weiter durchgezogen, weitere 5 Kilo  weg und dann bei meinem ersten Bewerb überhaupt gestartet. Ein 10 KM Volkslauf, irgendwo um die 57 Minuten ins Ziel, aber schon fast ein wenig stolz auf meine Leistung.

Die nächsten Laktattest am Laufband und am Rad haben mir und Andi dann gezeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind mit dem Training und es nun Zeit war, nochmal die Umfänge zu erhöhen und auch lange Einheiten am Rad und laufend hinter mich zu bringen. Ich weiß nicht, wie oft ich das Rad über die originale Strecke oder Teile davon bewegt hab, aber so hab ich jede Ecke der Strecke kennengelernt. Gleichzeitig hab ich auch selbst gemerkt, wie immer mehr weitergeht und wie weit ich dann auch schon beim Laufen gekommen bin. Während der Trainings auch die Herausforderung, lange Distanzen zu machen, sich richtig und ausreichend zu ernähren, seinen eigenen Körper und die Signale, die er gibt, kennenzulernen.

Eigentlich hat alles gut funktioniert, der übliche Muskelkater gehört ja dazu,  fast schon zu gut, wenn ich ehrlich bin. Und wahrscheinlich genau deswegen hab ich mir dann gut drei Wochen vorm Ironman einen Krampf aus dem Lehrbuch geholt mit anschließender Muskelverhärtung, sodass ziemlich schnell die Krise in mir ausgebrochen ist.

Also schnell Massagetermine organisiert, Rotlichtbestrahlung, dehnen, alles was möglich ist, damit der Muskel wieder aufmacht. Gleichzeitig Lauftraining fast auf null gestellt und nur Rad und locker schwimmen. Nach einer guten Woche Dauerpflege für den Muskel, waren wir wieder auf dem richtgien Weg und nach dem ersten Lauf über 10 KM war auch wieder Vertrauen in den Fuß vorhanden.

 

Ich glaube ich bin relativ lang ruhig geblieben, aber der letzten Woche ist dann die Anspannung gekommen, spätestens ab dem Zeitpunkt wo ich die Startunterlagen hatte, war ich doch ein wenig unrund. Die Ausrüstung hab ich mehrmals gecheckt inklusive sinnlosen Versuchen meine Nerven zu beruhigen. Beispiel gefällig: wenn man Pannenmilch im Reifen hat und sich dann noch zusätzlich einen Pannenschaum aufs Rad mitnehmen will, was auch nix helfen würde, und dir dann sogar dein Radmechaniker sagt, dass das sinnlos ist und er mir keinen verkauft! Gott sei Tag, war dann endlich der Renntag da.

 

Unglaublicherweise gut geschlafen, normal gefrühstückt, dann ab in die Wechselzone, das Rad bereitmachen, weiter Richtung Startbereich. Immer meine Frau an meiner Seite, die dann auch merkt, wie die Anspannung steigt, während ich mir den Neopren anziehe. Ein Kuss zum Abschied, kurzes Einschwimmen und dann ab in den Startbereich. Kurz überlegen, wo ich mich hinstelle, ich hab mich dann dich für die 1:20-1:40 Startbox entschieden und warten bis es losgeht. Komischerweise hat mich dann die Musik im Startbereich, die Bundeshymne und der Start der Profis wieder ein wenig runtergeholt und es war dann ein Wahnsinnsmoment, als ich endlich ins Wasser konnte. Beim Reinlaufen noch kurz meine Familie gesehen und dann versucht an Andi’s Worte zu denken, „Zieh dein Ding durch“. Das Schwimmen an dem Tag war der Hammer, nach 1:20 aus dem Lendkanal gestiegen, viel schneller als erwartet und ohne Schlägerei oder sonstiges. In der Wechselzone Zeit gelassen, noch kurz gegessen und ab aufs Rad. Die ersten KM waren zäh und ich hab eine Zeit gebraucht, bis ich richtig in meinen Rhythmus gekommen bin. Nach den ersten Labestationen auch gemerkt, dass Müsliriegel heute nicht das Richtige für mich sind. Also nur mehr Banane, Iso und meine eigenen Gels. Den ersten Ritt über den Rupertiberg super überstanden am Weg nach Klagenfurt gemerkt, dass die zweite Runde noch besser werden könnte. Aber leider hat mir dann der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich wollte mich durch den Regen auf der sicheren Seite bewegen und hab ein wenig rausgenommen. Gleichzeitig Glück gehabt, dass es am Rupertiberg wieder trocken war und so gut und wohlbehalten wieder zurück in die Wechselzone gekommen bin. Und mit knapp 29 Km/h Schnitt konnte ich für mich auch super zufrieden sein. Am Weg aus der Wechselzone wieder meine Familie und Freunde gesehen, was Kraft gibt und mir auch geholfen hat, nicht zu schnell weg zu Laufen. Die ersten Kilometer, nein eigentlich der erste Halbmarathon ist noch gut gelaufen. Viele Leute neben der Strecke, auch viele die ich gekannt habe, immer viel genommen an der Labe und die Füße in Ordnung, doch ab KM 25 hat es angefangen zäh zu werden. Irgendwann hat dann jemand damit angefangen, mir Beton in die Füße zu schütten. Als ich dann nach ca. 30 Kilometer nochmal beim Zielgelände vorbeigekommen bin und mich das letzte Mal auf den Weg in die Innenstadt gemacht habe, war ich heilfroh, als meine Frau neben mir hergelaufen ist für ca. 100 Meter und mich angefeuert hat. Leider hat die Wirkung nicht ewig gehalten, bei KM 34 musste ich dann gehen, weil nichts mehr ging, um mich nach einem halben Kilometer wieder aufzuraffen und wieder zu laufen. Ungefähr da hab ich auch nochmal Familie neben der Strecke gehabt, wieder ein kurzer Energieschub, dann die letzte Wende in der Stadt und das Bewusstsein nur mehr geradeaus bis ins Ziel. Irgendwie bis KM 41 geschleppt und ungefähr dort hört man dann schon den Sprecher im Ziel und die Zuschauer. Da geht dann plötzlich alles wieder ein wenig leichter, wenn auch nicht schneller. Die letzten Meter links abbiegen, ein kurzes Stück den Wörthersee entlang, nochmal links auf die Zielgerade, den Zielbogen vor Augen, die Menge an Zuschauern, die jeden Athleten anfeuern und durch - 13:01:56, gefinisht, „You are an Ironman“.

 

Die erste Langdistanz und in meinem Fall auch den ersten Triathlon meines Lebens hinter mich gebracht. Froh und glücklich im Ziel und wieder bei meiner Familie zu sein. Aber bis man den Tage realisiert hat, vergehen noch Stunden und Tage. Wie geht der Spruch: „Der Schmerz geht, der Ruhm bleibt“? Der Muskelkater war nach 4 Tagen weg, ich hatte Glück und keine Krämpfe!

 

An dieser Stelle muss auch Zeit sein, DANKE zu sagen.

Danke an meine Frau und meinen Sohn, die mich das ganze Jahr über unterstütz haben und mir dieses Projekt ermöglicht haben.

Danke an Andreas Madlmair , der mir in allen Dingen mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist, zu fast jeder Tages- und Nachtzeit und mich vorbereitet hat.

Danke an alle Freunde und Kollegen, die mich oder meine Frau während des Rennens oder davor unterstützt haben.

 

Um die Daten von oben zu ergänzen:

Alter: 30

Gewicht: 94 KG

Rauchen: Seit ein paar Monaten nicht mehr

Sport: Regelmäßig

 

Und jetzt auf die Suche nach einem neuen Ziel, aber ich gehe mal davon aus, dass ich jetzt nicht gleich wieder mit dem Triathlon aufhöre.

 

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